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Der Schmerz kommt erst bei einem selbst

Im Zuge der NSA Affäre ist mal wieder ein interessantes "Phänomen" zu beobachten. Der Aufschrei über die Überwachung wird erst dann richtig groß, wenn es einen selbst betrifft. Man schaue sich die SPD mit Schröder an oder die CDU mit Merkel. Daran ist dann auch zu messen, wieso der Aufschrei bisher nicht größer war. Die Gefahr durch Überwachung ist bisher für die Menschen zu abstrakt.

Genau beobachtet, war die NSÄ Affäre für die Bundes- und Landespolitiker genauso wie für die Bürger ein Ärgernis, aber keine Gefahr an sich. Natürlich war sie das nicht direkt. Das Leib und Leben von einem selbst und der Familie war ja nicht in Gefahr. Die Nutzung des Internets ist für die breite Schicht der Bevölkerung sowieso relativ gering und beschränkt sich nicht selten auf Facebook, das Suchen von Rezepten und ein paar Mails schreiben, die man eigentlich hätte nicht schreiben müssen.

Die Schicht derjenigen, die das Internet intensiv und in fast allen Lebenslagen nutzen, ist verschwindend gering. Derzeit.

Aber das ist auch der Knackpunkt an der Geschichte, die den Menschen vermittelt werden muss: Jetzt im hier und heute, mag das alles vielleicht noch gar nicht so hochdramatisch für euch sein, aber in ein paar Jahren und vor allem für die Generationen nach euch, für diese ist kein Leben in Freiheit mehr möglich. Jeden Tag wandern Produkte über den Ladentisch, die eine Vernetzung über das Internet benötigen oder zumindest möglich machen, von denen man vor ein paar Jahren noch nicht einmal gedacht hätte, dass das möglich wäre.

In ein paar Jahren wird es vielleicht Standart sein, dass jedes Haushaltsgerät einen Netzanschluss besitzt. Da wird die Kaffeemaschine an- und ausgeschaltet per App, die Wartung angezeigt und die Software geupdatet. Dem Versperren wird kaum noch möglich sein, außer man will weiter einfachen Filterkaffee trinken.

Wenn wir es Staaten und insbesondere Geheimdiensten jetzt erlauben, dass sie alles protokollieren und sammeln dürfen, dann werden wir es nächstes Jahr nicht mehr verbieten können. Noch ist Zeit aufzustehen, sich zu erheben und den Regierungen klar zu machen: Nicht mit uns. Wir wollen keine Geheimgerichte. Wir wollen keine Geheimdienste. Wir sind das Volk. Wir haben ein Recht darauf zu erfahren, was ihr uns verschweigt.

Aber dafür müssen soviele Menschen wie möglich auf die Straße und nicht nur ein paar wenige, die die Freiheit statt Angst Demonstration in Berlin besuchen, sondern alle. In der Hoffnung, dass noch mehr Politiker direkt überwacht wurden und auch diese die Gefahr begreifen. Am Ende, befürchte ich allerding, dass die Antwort lauten wird:

Lieber BND,

du brauchst mehr Budget. Wir müssen wissen was der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zum Frühstück gegessen hat. Aus Prinzip.

Die USA liegen wahrscheinlich jetzt noch vor lachen auf dem Boden. Wir haben im Kalten Krieg kein Wettrüsten gebraucht und brauchen es heute auch nicht.