Liebe Piraten, wir müssen reden! Antifa!

Ich muss zugeben, die Überschrift ist natürlich ein reiner Aufhänger, vollkommener Quatsch, aber ich wollte das immer schon mal schreiben, machen andere ja auch zu Hauf. Vielleicht krieg ich ja nun eine Waschmaschine.

Aber wenn ihr nun hier seid, lasst uns wenigstens mal ein paar Gedanken zu dem ganzen Antifa Ding machen. Wir reden hier ja mal wieder über ein Thema, dass seit Bochum und dem sogenannten Flaggengate auf voller Flamme kocht.

Die Probleme sind mal wieder hausgemacht: Keiner hat Bock auch nur einen Zentimeter auf den anderen zuzugehen. Schade eigentlich. Vor allem waren Piraten mal die, die alles hinterfragen wollten. Machen sie auch. Nur nicht die eigenen Gedanken.

Wo stehen die Piraten denn eigentlich? Bürgerrechte, soziale Teilhabe, Recht auf ein menschenwürdiges Leben, ordentliche Integration. Viel klassische linke Themen, angereichert mit viel freiheitlichen Bürgerrechtsgrundsätzen. Das war neu und ist immer noch ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Piraten in Rheinland-Pfalz haben sich am ersten Landesparteitag 2014 eine sozialliberale Partei genannt.

Aber natürlich ziehen wir bei unserem derzeitigen Grundsatz- und Wahlprogramm Menschen an, die sich weniger mit den Bürgerrechten, als mehr mit "klassischen linken Themen" beschäftigen und sich diesem Spektrum zuordnen. Wenn man sich das klar macht, zieht man selbst den Schluss, dass einige dieser Mitglieder auch bei "der Antifa" zugegen sind.

Aber - und jetzt kommt der Knackpunkt - ist die Frage wichtig:

Wer ist die Antifa?

Fragen wir doch mal die liebe Wikipedia

Der Begriff Antifa ist ein etwa seit Anfang der 1980er Jahre wieder verbreitetes Akronym der Begriffe Antifaschismus und Antifaschistische Aktion. Er bezeichnet vor allem im antifaschistischen Spektrum linke, linksradikale und autonome Gruppen und Organisationen, die sich in ihrem Verständnis von Antifaschismus das Ziel gesetzt haben, Nationalismus und Rassismus zu bekämpfen.

Theoretisch doch eigentlich ganz fein. Problematisch ist natürlich das radikale Spektrum, allerdings ist es natürlich vollkommen unpiratig eine Gruppierung aufgrund einzelner in Sippenhaft zu nehmen oder ist hier jemand, der einen Bundesligisten verurteilt wegen einzelner Ultras die immer über die Stränge schlagen?

Hinzu kommt, dass die Antifa keine Gruppe, kein Verein und keine Partei ist. Die Antifa ist ein Sammelbegriff. Eine loser Überbegriff.

Wem das immer noch zu hoch ist: Die Antifa ist genauso viel eine definierbare Gruppe, wie Basisdemokratie ein feststehender Begriff für eine Demokratieform ist.

Nachdem wir uns also klargemacht haben, dass es die Antifa nicht gibt, die Antifa nicht lauter Radikale sind und die Medien für den öffentlichen Diskurs nur Steinewerfer mit Antifaflaggen zeigen, dann ist das ganze Flaggengate doch gar nicht so schlimm.

Ja, die Versammlunsleitung hätte Proaktiv selbst einen GO Antrag stellen können, hat sie aber nicht. Wir sollten unbedingt wieder mehr Lockerheit gewinnen.

Denn die Leute, die aggressiv auf Twitter und Mailinglisten gegen die Antifa-Flaggen vorgegangen sind, haben einen klassischen "Alice-Schwarzer" hingelegt: Menschen, denen das Thema bisher egal war, sind mittlerweile "Pro Antifa". Herzlichen Glückwunsch.