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Anderson Barracks: Chance für Nierstein vertan

Gestern war gemütliches Händeabklatschen bei der lokalen Politik in Nierstein angesagt. Bei einer Pressekonferenz, gab sowohl die Bima als auch der Stadtbürgermeister Günther sowie VG-Chef Penzer bekannt, dass auf dem ehemaligen Kasernengelände der Anderson Barracks eine Saunalandschaft entstehen wird. Zur weiteren Ansiedlung soll Gewerbe entstehen und regenerative Energien gewonnen werden.

Kurze Reise zurück:

Im Jahr 2008 zogen die USA die Einheiten der Anderson Barracks ab und verlegten diese nach Wiesbaden-Erbenheim.

Das vorgehen war lange allen beteiligten bekannt und so stand das Gelände über die Jahre brach. Solange die Übergabe am laufen war, kamen mehrmals täglich die Military Police aus Erbenheim um dort nach dem Rechten zu sehen, nach dem die Bima das Gelände in ihren Händen hatte, passierte erst einmal über Jahre nichts mehr.

Man darf sich die Anderson Barracks als kleines Dorf vorstellen: Supermarkt, Kindergarten, Kirche, Sportfelder, Bownlingbahn, Arztpraxen, Wassergewinnung, Werkstätten, Büros und Wohneinheiten für mehrere hundert Personen waren - zwar in keinem sehr guten - aber ordentlichem Zustand.

Nachdem die MP nicht mehr zur Kontrolle kam, waren Metalldiebe nicht weit und so war es innerhalb von Monaten nicht mehr möglich, dort irgendein Objekt ohne größere Renovierungsarbeiten zu nutzen.

Nun stellt sich die Frage:

Liebe Bima,

lieber Herr Günther,

lieber Herr Pentzer.

Wir wohnen mitten im Rhein-Main Gebiet zwischen Bingen und Frankfurt. Wir leben hier auf einem wundervollen Stück Erde und haben das Glück, dass sich um die Großstadt Frankfurt und die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden viele Firmen angesiedelt haben, die eine grandiose Arbeitslosenquote von 3% beschert.

Wir haben da aber durchaus Probleme:

  • Bezahlbarer Wohnraum in vielen Orten die eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr besitzt
  • Keine Räume für Kulturprojekte
  • Teure Gewerberäume für junge Firmen in einer halbwegs ordentlichen Lage

Wenn wir diese drei Punkte nun einmal mit dem Kasernengelände verbinden, hätte es schon lange klingeln sollen. Hat es auch, aber das klingt eben nicht so schön wie ein Hotel und eine Saunalandschaft zu errichten. Nicht wahr? Natürlich, dass wäre nicht billig geworden, dass war das Prozedere zur "Stadt" aber auch nicht.

Dies wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, gerade für Nierstein, etwas im Hinblick auf bezahlbaren Wohnraum und Kulturprojekte sowie junge Firmen zu machen sowie die Menschen vor Ort aktiv einzubinden. Diese Chance haben sie wieder einmal nicht genutzt. Wieso denn eigentlich nicht?

Sagen wir doch wie es ist: Sie haben daran kein Interesse und brauchen mal wieder ein schönes Prestigeobjekt, nicht wahr?