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#Krautreporter

Seit ich bei den PIRATEN bin habe ich mich mit vielen Journalist_innen abseits der eigentlichen Veranstaltung unterhalten. Zum einen weil ich den Beruf des Journalisten faszinierend und spannend finde, zum anderen weil ich mehr über das aktuelle Innenleben bei deutschen Printverlagen herausfinden wollte.

Der Tenor war immer der gleiche: junge, freiberufliche Journalist_innen, teilweise noch im Studium, weniger gut bezahlt, aber alle mit einer großen Leidenschaft bekommen die Termine per Outlook gesendet und haben dann zwei, drei Stunden Zeit ihren Artikel zu schreiben.

Soweit anscheinend die Realität bei deutschen Lokalzeitungen, genau betrachtet wird das auch nicht weit ab sein von der Wahrheit. Hier ein dpa Artikel dazu, dort was von Reuters und dann von den Freiberufler_innen noch drei, vier Artikel: fertig ist die durchschnittliche deutsche Lokalzeitung.

Das das keiner mehr wirklich lesen möchte, dürfte klar auf der Hand liegen. Bei den Verlagen ist das aber noch nicht wirklich angekommen, die Webpräsenzen sind meistens eher schlecht, die Allgemeine Zeitung hier in Mainz streicht von heute auf morgen die Pseudonyme der Kommentatoren und ersetzt diese durch die bei der Registrierung verwendeten Klarnamen.

Artikel aus der Print Ausgabe erscheinen nie regelmäßig auch Online, dort findet man eher aus Verlegenheit auch paar aktuelle Nachrichten aber nichts für was man Geld zahlen wollte.

Bei Spiegel Online wird hingegen sogar ein Wirtschaftswachstum von 0,4% zu Sondermeldung, die FAZ trumpft zwar hin- und wieder auf, aber auch hier vermisse ich den großen Mehrwert, differenzierte Meinungen, Tiefgründigkeit.

Hervorzuheben ist die ZEIT die sich wahrhaftig Mühe gibt Innovationen zu entwickeln und investigativen Journalismus zu fördern. Natürlich, die ZEIT ist eine Wochenzeitung, der Taktschlag ist geringer als bei einer Tageszeitung, dafür sinkt dort aber auch die Einnahmenseite.

Die Romantik wenn ich an Journalismus denke ist doch ganz klar: Journalisten sitzen wochenlang an einem Artikel, durchwühlen Websiten, Archive, suchen Quellen und spannen den roten Faden vom A zum Z den vorher keiner gesehen hat. Die Realität sieht anders aus. Leider.

Nun schickt sich ein journalistisches Angebot an, dass vieles besser machen möchte: gut recherchierte Artikel, faktenbasiertes Argumentieren und weitab von jeglicher sinnfreier Effekthascherei. Die Leser müssen dafür aber Geld in die Hand nehmen, denn auf Werbung möchte man zu 100% verzichten: 60 Euro soll das "Ticket" pro Jahr kosten. Im ersten Jahr möchte man mit 60.000€ starten, sonst wird das Projekt nicht umgesetzt.

[Krautreporter](http://www.krautreporter.de)

Das wären 5000€ im Monat, abzüglich Steuern, Servermiete, Bürokosten, Geschäftsausstattung sowie den vielen anderen "Kleinigkeiten" bleibt da am Ende nichts mehr über um auch nur ein Wort von dem was eventuell mal geschrieben wird zu bezahlen.

Mindestens 25 Journalist_innen werden also - falls das Geld zusammen kommt - ein Jahr kostenfrei arbeiten um zu beweisen: In Deutschland ist es noch möglich einen guten Journalismus, ein tolles Magazin - whatever - zu betreiben für den die Menschen bezahlen. Menschen, die gut informiert sein möchten und die nicht auf das nächste Schumibild aus dem Krankenhaus dauernd Spiegel Online neuladen.

Natürlich sind das alles noch leere Worthülsen und Versprechungen auf Krautreporter, aber alleine die Idee verdient es einen Vorschuss an Vertrauen zu bekommen. Lasst uns endlich mal wieder einer innovativen Idee - die noch nicht einmal viel Investitionen des einzelnen benötigt - die Chance geben zu gelingen. Es liegt mal wieder an uns in welcher Welt wir leben möchten. Davon könnte Krautreporter ein kleiner und guter Teil sein.