/ deutschland

Asyl. Menschenbild. Piraten-Wahlumfragen.

Seit dem Einzug der Piratenpartei Rheinhessen in den Kreistag Mainz-Bingen konnte ich mit vielen Menschen über Politik reden. Der Platz für lokale Politik war relativ gering, schnell ging es immer wieder auf die große Bühne der Weltpolitik.

Armut. Deutschland. Arbeit. Finanzen. Wirtschaft. Europa.

Das Bild das sich zeichnete war fast immer gleich und in dem Ausmaß für mich wirklich erschreckend.

Ein Satz der mich seit dem nicht mehr los lässt war:

Das Problem mit Afrika ist doch, dass die Menschen dort sehen wie gut es uns hier geht.

Das hat mich tief getroffen, zeigt es doch, dass vielen genau das fehlt, was uns Menschen eigentlich ausmacht: Tiefgreifendes Mitgefühl.

Die Piraten stehen für eine Welt des Miteinanders. Eine Welt in der sich die Menschen gegenseitig helfen, dabei ist es egal ob man über den Nachbarn redet oder um die halbe Welt dafür reisen muss. Es ist quasi das Sinnbild des Internets: Auch hier spielt es keine Rolle wer wo wohnt.

Und dieses Bild das ich von den Ansichten der Menschen hier gewinnen durfte, eher musste, zeigt für mich doch ziemlich deutlich wieso die Piraten so schnell in den Umfragen wieder in den Keller gerasselt sind.

Als der Wahlerfolg in Berlin (nicht nur die Bundeshauptstadt, sondern wohl auch die Hochburg des "Refugge-Tums" siehe z.B. #Ohlauer) die PIRATEN traf, da war nicht viel bekannt über die damalige Netzpartei. Klar: Sie wollten Transparenz und Mitmachen in der Politik, Datenschutz für die Menschen und waren eben mal anders als die bisherigen "großen" Parteien.

Vier Landtage später.

Die PIRATEN haben ihr Programm stark erweitert. Ein vereintes Europa. Asylrecht für (fast) alle. Gleichstellung für Homosexuelle. Ein BGE.

Themen, mit denen anscheinend der Wähler nicht viel anfangen kann. Da ist es einfacher mit plakativen Aussagen bei denen man nicht viel nachdenken braucht die Alternative für Deutschland zu wählen. Die sind zwar verwechselbar mit der NPD, aber zumindest nicht offen Ausländerfeindlich.

Ich bin erfüllt mir Trauer nach diesen letzten zwei Wochen. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass die Menschen in Deutschland noch so in den alten Denkmustern stecken und ihre politische Ausrichtung so Deutschlandbezogen ist.

Vielleicht auch ein Grund, warum ich mit der WM dieses Jahr nicht viel anfangen kann. Mir macht es keine Spaß einem Team zuzujubeln, dessen andere "Fans" die Menschen im Rest der Welt als egal betrachten. Hauptsache ihnen geht es gut.