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Wie man unseren Stadtrat medial lächerlich macht

Xander Dorn sitzt seit Juni 2014 für die Piratenpartei im Mainzer Stadtrat und ist in dieser Wahl wohl auch das Zugpferd für uns alle gewesen.

Xander beschreibt sich selbst als Transgender. Ob er wirklich das Gefühl hat das zu sein, ob es ihm um das Prinzip geht es sein zu können wenn er wollte oder ob er damit nur ein Zeichen setzen will für die Menschen, die sich eben keinem Geschlecht zuordnen - ich weiß es nicht. Es ist mir auch egal. Alle drei Gründe wären für mich in Ordnung und ehrlich gesagt mache ich mir da auch keine Gedanken drüber.

Kurzer Einwurf für alle die nicht genau wissen, was denn Transgender eigentlich bedeutet:

Transgender (lat. trans „jenseitig“, „darüber hinaus“ und engl. gender „soziales Geschlecht“) ist ein Begriff für Abweichungen von der zugewiesenen sozialen Geschlechterrolle beziehungsweise den zugewiesenen sozialen Geschlechtsmerkmalen (Gender).

Der Begriff Transgender kann als eine positive Selbstbeschreibung und Positionsbestimmung im gesellschaftlichen heteronormativen Raum dienen: Menschen, die sich nicht klar auf eine der naturalisierten Rollen Mann oder Frau festlegen können oder wollen, bezeichnen sich selbst auch als genderqueer.

Xander ist Xander und das ist gut so. Zumindest für mich und die rheinhessischen Piraten. Für die Allgemeine Zeitung (kurz: AZ) in Mainz anscheinend aber nicht.

Der Artikel zur Verpflichtung bei der konstituierenden Sitzung in der AZ war durchaus nett:

Xander Dorn ist das einzige Mitglied der „Piraten“ im Stadtparlament. „Ich werde sehr viel Zeit für den Rat investieren“, sagt jene Person, die vor der Wahl kritisiert hatte, dass sie den Zusatz „männlich“ in den Wahlunterlagen erhielt. Dorn identifiziert sich nicht mit einem Geschlecht – in solchen Fällen spricht man von Transgender. „Ich werde mich bei Frauenfragen, Jugend-, Schul- und Verkehrspolitik besonders einbringen“, sagt Dorn. Die 30-jährige angehende Lehrkraft ist außerdem im zweiten Jahr im Studierendenparlament der Universität.

Nun lud der Mainzer Oberbürgermeister alle Ratsmitglieder zu einem ökumenschischen Gottesdienst ein, was Xander zu kritisieren wusste. Immerhin treten wir für die Trennung von Staat und Kirche ein, da passt die Einladung für eine kirchliche Festivität nicht rein.

Also: Xander kritisiert den OB für die Einladung und was schreibt die AZ in ihrem Einleitungssatz?

Xander Dorn, das Stadtratsmitglied der Piraten, das geschlechtsneutral angesprochen werden will, sieht die Verpflichtung der Stadt zur weltanschaulichen Neutralität verletzt.

Klar, die meisten Leser werden Menschen die sich als Transgender "outen" immer noch in eine Schublade stecken in der ein Großteil der Menschen wohl niemals stecken möchte. Auf der Schublade steht groß drauf: "Freaks und Sonderlinge!"

Das ist schlimm und kulturell wohl bedingt, daran muss auch die Politik arbeiten und vor allem auch die Medien. Eigentlich sollte man meinen, dass gerade dort Menschen sitzen die auch über den Tellerrand blicken und sich grundsätzlich ein paar Gedanken mehr machen.

So disqualifiziert man einen Menschen, der Neu im Stadtrat ist, natürlich sofort und in dem Artikel hätten noch tausend tolle Sachen stehen gewesen, wäre aber auch egal gewesen: Man weiß ja nun, aus welcher Schublade das kommt.

Und als Sahneklecks hat sich dann auch Tobias Huch - ehemalig im Landesvorstand Julis RLP, Stadtratplatz 7 der FDP Liste, zu Wort gemeldet und verrät gleich mal, welche/r Pirat/in denn bei dem Gottesdienst anwesend war. Auch so ganz ohne Not.