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Wenn das Internet teurer wird

Es war einmal eine Zeit, in der der deutsche Staat die Bundespost aufspaltete und die Deutsche Telekom aus der Taufe hob. Alles sollte besser werden, der ehemalige Staatskonzern musste sich am freien und liberalisierten Markt beweisen.

Und tatsächlich, nach einigen Jahren und vielen neuen Mitbewerbern sanken die Preise während die Leistungen stiegen. Modems kamen und gingen, ISDN hielt Einzug und irgendwann wurde auch DSL über die Kupferkabel der ehemaligen Bundespost gedrückt.

Doch mit dem steigenden Bandbreitenbedarf und gleichzeitig der Weigerung seitens der Deutschen Telekom, zur Bewahrung der Dividende für Aktionäre, den großflächigen Ausbau von Glasfaser in die deutschen Haushalte voranzutreiben, kamen Probleme. Die Kupferkabel sind an Ihren Belastungsgrenzen und unbegrenzt Bandbreite kann man damit, in einem liberalisierten Markt, nicht anbieten.

Abhilfe bringt hier VDSL, denn immerhin könnte für viele Haushalte die Möglichkeit auf 50 oder 100 MBit/s in greifbare Nähe rücken. Das Problem ist nur, dass die Kupferkabel schlecht abgeschirmt sind und daher die Signale nicht mehr ordentlich bei den jeweiligen Modems ankommen. Wenn nun aber nur ein Provider Zugriff auf die Leitungen hat, kann man das mit einem technischen Trick minimieren und herausrechnen.

Also hat die Telekom vor einiger Zeit begonnen Ihre hochbezahlten Lobbyisten loszuschicken und Aktionäre (man beachte vor allem die Bundesrepublik Deutschland hierbei) zu betüdeln, dass künftig jeder Hauptverteiler nur noch von einem Provider genutzt werden darf. Der Staat, die Bundesnetzagentur und die Telekom waren sich schnell einig, dass das doch ein toller Plan ist. Schnelleres Internet für weniger Investitionen. Was interessiert mich schon die Zukunft, wenn ich heute schon was ankündigen kann.

In einem langwierigen Verfahren und um auf den ersten Blick den Schein zu wahren, wurden dann die Hauptverteiler auf die deutschen Provider aufgeteilt. Gleichzeitig wurde geregelt, dass andere Provider gegen eine (saftige) Provision weiter Verträge und Leistungen anbieten dürfen, die müssen nun aber bei dem Besitzer der HVTs angemietet werden. Natürlich hat die Telekom das gros zugesprochen bekommen und muss nun Deutschlandweit auf gerade einmal 300.000 Anschlüsse verzichten. Viele davon fallen zum Beispiel in München (Mnet) oder Köln (NetCologne) an, da stört das die Telekom wenig.

Und dann gibt es da noch kleine Städtchen oder Dörfer wie Nierstein und Oppenheim. Hier hat der saarländische Provider VSE Net GmbH die HVTs zugesprochen bekommen und offensichtlich gleich an die EWR weitergereicht. Nun muss man wissen, die EWR ist ein Unternehmen der RWE und Stadt Worms sowie eigentlich der lokale Grundanbieter für Strom und Gas. Mit Internet hat man vor ein paar Monaten begonnen und den Leuten Glasfaser versprochen.

Für die Leute vor Ort bietet sich nun das Bild, dass die Telekom erst einmal alle Verträge kündigt und nur "normales" ADSL mit maximal 16 MBit/s anbietet, anstatt VDSL 25 oder 50 MBit/s. Das gilt solange, bis sich die VSE Net GmbH bzw die EWR und die Telekom auf die Provisionen geeinigt haben, falls das überhaupt passieren sollte.

Wer weiter das schnellstmögliche breitbandige Internet haben möchte, der könnte also nun einfach zur EWR gehen und das "Herznet" 50 bzw 100 buchen. Als kleinen Einstieg hier kurz der Preis der Telekom für 12 Monate (ohne Neukundenrabatte oder Anschlussgebühr sowie ohne Router aber mit Telefonflat):

Magenta M (50 MBit/s): 39,95€

Magenta M (50 MBit/s) + EntertainTV HD Plus: 49,95€

Magenta L (100 MBit/s): 44,95€

Magenta L (100 MBit/s) + EntertainTV HD Plus: 54,95€

Jetzt kommt das neue, tolle EWR Herznet Angebot:

Herznet 50 (50 MBit/s): 55,95€

Herznet 100 (100 MBit/s): 60,95€

Die EWR bietet kein TV Angebot, dass würde z.B. über magineTV 10€ pro Monat kosten.

Herznet 50 (50 MBit/s) + Magine: 65,95€

Herznet 100 (100 MBit/s): 70,95€

Festzuhalten ist also ein Anstieg der Kosten um über 15€ jeden Monat, dass macht 180€ pro Jahr! Die EWR bietet Stromkunden einen Rabatt in Höhe von 6€ pro Monat an, wer jedoch bei einem alternativen Stromanbieter das vielfache zu den EWR-Tarifen spart, guckt dumm in die Röhre.